Hier wird mancher nun wieder die Nase rümpfen. Trotzdem will ich hier eine Lanze brechen. Eine Lanze für den maximalen kommerziellen Nutzwert. Der ist hier nämlich unbestreitbar hoch. 2raumwohnung wollen harmlos unterhalten. Und genau das schaffen sie auch wieder hier. Warum am Rezept was ändern? Grüner Salat mit Essig ?l Dressing schmeckt halt so. Klar auf 13 Tracks wird das streckenweise doch etwas ermüdend. Und wer alle vergangenen Alben nebeneinanderlegt, wird feststellen, dass sich NICHTS geändert hat.
Alle die unkomplizierte Cruise-, Sommer-, Background-, Staubsaug-, 2-jährige-Tochter-kompatible Mucke laufen lassen wollen, sind hier richtig. Manchmal kommen einem aber leichte Zweifel, ob die Texte wirklich ernst gemeint sind. Von Ironie oder Augenzwinkern merke ich nichts. Zu einem Diss kann ich mich aber wegen wie beschriebener Eingängigkeit nicht durchringen. Da ist auch noch die dunkle Vergangenheit: Hey, Tommi Eckart hat mit "
Perry & Rhodan - the beat just goes straight on and on" von 1993 einen solchen ?berklassiker geschaffen, dass man ich ihm dannach einfach nichts mehr übel nehmen kann. OK, ein paar der Dorau Sachen vielleicht. Aber das ist Geschmacksache.
Der Kollege kann sich zu keinem Diss durchringen, da er die wunderbar eingängige Mucke gehört hat?
Tja, diesen Fehler werde ich nicht machen!
Liebe LeserInnen,
Ich gestehe, ich habe die Scheibe vorliegen und habe noch keinen einzigen Takt davon gehört. Warum?
Ich konnte es einfach nicht. Warum sollte mich eine CD reizen von der absolut klar ist, dass es keine ?berraschungen geben wird? Die sich anhört wie die vor ihr auch? Ich habe ein paar wei?e Turnschuhe und das reicht mir auch - warum sollte ich fünf Paar haben, die sich in rein gar nichts unterscheiden?
Um immer ein frisches parat zu haben? Um meine Zeit damit zu vergeuden nach minimalsten Nuancen zu suchen? Ach - die HiHat klingt vielleicht doch ein wenig anders? Nein. Nein. Nein.
Denn das Problem, welches ich mit 2raumwohnung habe ist folgendes:
2raumwohnung besitzen musikalisch gesehen nicht ein Fünkchen Selbstironie oder Wagemut und das macht auf Dauer unsympathisch.
Noch immer auf Designerstühlen konzipierte Weichspülermusik für das Publikum, dass zum Chill-Out (und Gesehen-Werden!) am Feierabend in den Wohlstandshängematten der unzähligen (und gro?teils überflüssigen) Beach Clubs platz nimmt. Berlin Mitte Mukke. Musik, die im uniformierten Einheitsbrei nur Eines will und das auch mit Bravour schafft:
Nur nicht auffallen.
Und ich kann mich nicht zu einem "Schön, dass es sowas gibt" überreden lassen. Zumindest nicht heute, denn meine Zeit ist knapp bemessen und zum Musik hören bleibt noch viel weniger. Und die ist mir für 2raumwohnung momentan einfach zu kostbar.
Meine Meinung für heute - Ich muss zurück an den Herd!
Hört, hört!