Augen auf beim Musik Kauf. Einmal unachtsam und schon hat man eine CD wie diese hier. Von Interviews gelockt ("Minimal, aber mit Melodie") und beim Online-Vorhören vorschnell in diese Richtung hinein interpretiert ("ah, wie Holden!"). Nachher ein Erwachen. Das soll kein frustrierter Diss werden, aber etwas enttäuscht war ich schon: Wie ein Koffer im Roentgengeraet sieht man die Zutaten alle glasklar:
- Man nehme irgendeinen Abschnitt aus irgendeinem Lied. Maximal 3 Sekunden lang. Es ist egal welches.
- Zerschneide diesen in drei bis funef sehr kurze Loops (maximal twei Töne hintereinander)
- spiele diese Loops auf einen DJ-Sampler
- klimpere auf den Loops rum, bis ein eintaktiger Loop fertig ist und speichere ihn
- verlängere das auf 8 bis 8 Minuten
- nimm für den nächsten Song einfach 4 neue Samples
- aber lass den gleichen Takt vom vorherigen Lied einfach weiterlaufen
So hört sich das dann an: Die Tracks bestehen aus kaum mehr als zweitonigen Loops, die eher lieblos aneinander gereiht werden. Nach wenigen Takten wiederholt sich das ganze dann und wird auf 6 bis 8 Minuten gestretched. Beim hören habe ich mich mehrmals dabei erwischt, meinen MP3-Player zu verfluchen, weil ich fälschlicherweise annahm, er würde die CD wieder von vorne abspielen. Aber nein, es klingt doch alles sehr, sehr ähnlich. Nur die Samples sind leicht ausgetauscht aber der Trackaufbau gleicht den Vorgängern.
Klingt insgesamt, wie das Notizbuch von jemandem, der seinen neuen Mini-Sampler am Wochenende testet. Die Tracks klingen roh, unfertig und wirken dadurch lieblos. Es sind schon tolle Soundscapes dabei, aber alles einfach zu eintönig, zu wenig ausgebaut. Unfertig. Das alles als Album zu verkaufen ist doch etwas, aeh, dreist. In einem weiteren Interview hat sich The Field auch ausdrücklich von "Minimal-Trance" distanziert. Na ja, vielleicht war es auch eher umgekehrt?
Fazit: Könnte man gut hören, wenn's fertig wäre. Da aber zu vermuten ist, dass das alles ganz bewusst so gemacht wurde (hat ihm ja bisher auch gute Presse gebracht), bleibt eher Enttäuschung.
Hört, hört!