Die 3 Pendulum Macher kommen - klar für Australier - aus einem Metal Hintergrund und wollten nach eigener Aussage auf dem zweiten Album kein zweites "Hold Your Colour" voller Tracks wie ihrem Superhit "
Slam" machen, sondern statt dessen ihre Metal Einflüsse "voll ausleben". Dazu ist man noch zum Major Label Warner gewechselt. Von "Drum'n Bass" ist das Temo, ein paar Drumsounds und die cheesigen Lead-Sounds des Vorgängers übrig geblieben. Ansonsten von Rob Swire selbst eingesungene "Vocals" und Refrains, die jedem käsigen Pop-Europe-Glammetal Ehre machen.
Nach der Veröffentlichung dieses Albums geht's derzeit in UK zumindest - für Drum'n Bass Verhältnisse - richtig ab:
Top 5 in den UK Album Charts, Top 10 Single Charts, das hat schon Prodigy "Qualität". Zudem noch Live-Acts auf so ziemlich jedem größeren Festival, auch und vor allem rockigere. Nun ist die Drum'n Bass Szene natürlich absolut erschüttert: Erstens wird jedem, der ordentlich verkauft, sofort der "sell out" unterstellt. Zweitens übertreten die Rock-Tracks dann doch sehr das szeneübliche "Reinheitsgebot". Mit seltener Reserviertheit wurde z.B. der "exclusive Pendulum Track" vor Veröffentlichung von Annie Mac geradezu mit spitzen Fingern angefasst. In der Fabio-Show wurde die ganze Sendung eigentlich nur darüber mit Pendulum gesprochen, wie sehr man sie nun hasst in der Szene und das Fabio inständig hofft, dass in Zukunft wieder mal ein richtiges Drum'n Bass Album rauskommt. Oder die zweite Single "
Propane Nightmares": Diese wurde nach eigener Aussage von Pendulum extra als "na ja ein bissel DnB musste dann doch sein" verkauft. Aber gerade die wurde fast so zerrissen wie das letzte Prodigy Album
Insgesamt ist es schon erstaunlich, anzusehen, wie Pendulum die Erwartungen ihrer Fans so konsequent und bewusst nicht erfüllen (wollen). Um gleichzeitig mit dem neuen Weg noch erfolgreicher zu sein als vorher.
Zum Album selbst: Also hier bin ich sehr zwiespältig: Selbst mir sind die Leads diesmal einen Tick zu cheesy, der Gesang zu pathetisch und trancig, die Drums zu eintönig oder der Sound zu Breitwand-Matschig. Wobei es insgesamt immer noch unverkennbar Pendulum ist. Nur eben fast ohne "Drum'n Bass". Live ist das aber sicher ein absolutes Highlight, denn es ist einfach der geborene Stadion-Rock-Sound. Nur mit fetteren Beats und genialeren Lead-Lines. Ein Klassiker wird das sicher nicht. Es fällt schon auf, das vieles doch etwas zusammengeschustert klingt. Zu oft wiederholen sich die Elemente und Effekte von Song zu Song. Vielleicht reissen es die Remixe raus. Aber man darf auch nicht zu viel erwarten: Vielleicht kann eine Gruppe in Ihrem Leben auch nur ein Meisterwerk wie "Hold Your Colour" abliefern und das wars? Würden wir hier Punkte vergeben, kämen vielleicht 5,5/10 raus. Nachvollziehbar ist aber auch, dass man das als die Reinkarnation des Bösen und absoluten Bockmist bezeichnen kann (vor allem "Otherside" kann man nur für einen sehr schlechten Witz halten). Der Scooter-Vergleich ist hier vielleicht noch angebrachter. Nur nicht "die Scooter des Drum'n Bass", sondern "die Scooter des Metal"? Trotzdem muss man anerkennen, das die Jungs Ihren Stil nun gefunden zu haben scheinen und sich damit eine eigene Nische erarbeitet haben. So klingt wohl der "wahre" Australien-DnB. Auch wenn's super-käsig klingt, aber sie sind damit einfach die 2007er Version von Prodigy.
Ich hoffe trotzdem auf's nächste Album und darauf dass mal ein Live Konzert besuchen kann.

Macht es bei so einem Sound überhaupt Sinn sich in Abstufungen darüber Gedanken zu machen? Pendulum ist NULL oder EINS, das ist für mich die einzig mögliche Einstufung. Und wenn es dann schon kracht, spielt es eine Rolle ob es dann und wann ein bisschen anderes kracht als an anderer Stelle? Nein. Sich über Musik, die bedingungslos rocken will und die Bein- und Kopfarbeit Fraktionen ENDLICH in Frieden auf der Tanzfläche vereinen will, länger als zehn Sätze Gedanken zu machen kann nur ein Widerspruch in sich sein!
Also bleiben mir nur noch folgende Anmerkungen:
- 1. Der Scheiß rockt!
Und man kann dazu die Tanzfläche von Läden wie zum Beispiel dem Kaiserkeller oder dem Headbangers Ballroom polieren. Sehr schön. - 2. Auch ich fühlte mich an Prodigy erinnert, aber das schadet nicht.
Und vielleicht sind sie ja auch die RMB des Hardrock? - 3. Will ich live sehen, bevorzugt in einem kleinen Club und überprüfen was meine Sprunggelenke noch so verkraften.
- 4. Ich dachte Pendulum wollen D'n'B Leuten wie z.B. meinem lieben Kollegen Gitarren näher bringen.
Und nicht andersrum. Und das ist Ihnen dann ja auch ein Stück weit gelungen. Alleine deshalb sollte ich in tiefer Dankbarkeit ergeben sein. - 5. Das war's dazu von meiner Seite
Außer vielleicht, dass ich auch an Showdown und The Tempest gefallen finden kann. Wer also über die Musik grübeln will soll das machen, der Rest trifft sich auf der Tanzfläche oder im Stadion. Rock on!
Und nur, damit wir hier nicht völlig als reaktionäre Spiesser-Redakteure verdammt werden: Eigentlich sollte dieser Review eine
tolle Web2.0 Anwendung werden. Unter Einbeziehung der durch den User selbst einstellbaren persönlichen Präferenzen über Regler:
- Käsigkeit (von "Hartkäse" bis "Frischkäse")
- Bretter-Härtegrad (von "Eukalyptus" bis "Bangkirai")
- Eurovision-Song-Contest-Pathos Level (von "Malta" bis "Finnland", bzw. "Aserbaidschan")
- Breitwand in Metern (von "Public Viewing" bis zu "örtliche Multiplex Konkursverschleppungsruine")
sollte dann das Ergebnis der Rezension errechnet werden. "
Create your own instant review" sozusagen. Mitmach-Journalismums vom allerfeinsten. Aber die Idee war dann doch so gut, dass wir daraus jetzt ein Startup machen und darauf warten, dass Yahoo uns aufkauft. Der von uns unter 5-Promille-Einfluss erdachte absolute Wahnsinnsname
www.myreviewtube.com ist aber tatsächlich schon vergeben (kein Witz!). Jetzt sparen wir noch Geld für den Online-Anwalt um sie zurückzuklagen.
Bis dahin müsst ihr euch noch gedulden, sorry.
Hört, hört!